Effiziente Didaktik für das Symptomtraining dyskalkuler Kinder

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Dipl.Inform. Frank Haub hielt auf der 20. Fachtagung des EÖDL einen Vortrag über „Effiziente Didaktik für das Symptomtraining dyskalkuler Kinder“. Er zeigte, wie man dyskalkulen Kindern kleinschrittig zum Erfolg bringt.
Mathematik ist bekanntlich hierarchisch aufgebaut. Ein Baustein folgt auf den anderen. Wer einen Baustein verpasst, kommt nicht mehr mit. Dyskalkule Kinder steigen schon sehr früh aus der Mathematik aus. Die meisten schon im 1. Schuljahr, allerdings wird das lange nicht bemerkt, da die Kinder über viele Kompensationsstrategien verfügen. Über die Jahre steigern sie ihre Mathekompetenzen nicht, ihre Kompensationsstrategien dafür umso mehr. Bis erkannt wird, dass das Kind dyskalkul ist, ist schon viel Zeit vergangen. Für das Kind ist alles, was mit Mathe zu tun hat, inzwischen zum roten Tuch geworden.
Eine Lösung wäre – nach erfolgreicher Steigerung der Aufmerksamkeit und gezieltem Training der Sinneswahrnehmungen – den Stoff nachzulernen und noch intensiver zu lernen. Aber noch mehr lernen? Und das für Mathe? Damit kann man die Kinder nicht begeistern. Günstig wäre daher eine Methode, mit der man mit Spaß und Freude das Ziel erreicht und die Kinder im Klassenverband nicht mehr auffällig sind.
Auch wenn die Dyskalkulie spät erkannt wird, so hat das trotz allem nutzbare Vorteile:

  • Die Kinder sind schon älter und können bereits besser abstrahieren als z.B. ein Erstklässler.
  • Man kann die kontraproduktiven Lerninhalte, die mit dem eigentlichen Verstehen der Mathematik nicht viel zu tun haben, überspringen.
  • Es gibt ein gesteigertes Verständnis von Zusammenhängen durch zeitnahe Betrachtung der mathematischen Hierarchien.
  • Man kann in Ruhe am Aufbau einer soliden, transferierbaren, mathematischen Basiskompetenz arbeiten.

Die Voraussetzungen für ein effektives Training sind einfach:

  • Das Lernen muss Spaß machen. Es findet sozusagen einen Dialog zwischen Dyskalkulietrainer und Schüler über Mathematik statt. Durch die richtige Fragestellung soll das Kind möglichst viel selber entdecken. Man arbeitet mit kleinen und kleinsten Lernschritten, auch wenn die für die Außenwelt noch so banal sein mögen. Ein wichtiger Grundsatz ist: In jeder Trainingsstunde soll das Kind ein Erfolgserlebnis haben.
  • Das Kind braucht nur wenige, leichte Hausaufgaben.
  • Es soll eine enge Zusammenarbeit mit dem Umfeld der Kinder geben. Schule und Elternhaus sollen alles Mögliche tun, um die Kinder zu unterstützen und sie seelisch zu schützen.

Das Wichtigste, was man den Kindern beibringen muss, ist, dass Mathematik nicht das ist, was sie denken, nämlich eine Aneinanderreihung der Zahlen, sondern dass Mathematik ein Werkzeug ist, mit dem man die Umwelt abbilden kann. Die Schulmathematik soll die reale Welt in eine symbolische Sprache überführen. Die Kinder sollen verstehen, dass jeder Term in eine Rechengeschichte umgewandelt werden kann und dass jede Situation, die mit Mengen zu tun hat, in einen Term umgewandelt werden kann. Das soll das Training vermitteln: Wie hängt Mathematik mit Alltag zusammen.

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Effiziente Didaktik für das Symptomtraining dyskalkuler Kinder, Frank Haub, 20. EÖDL Fachtagung, Fachtagung, EÖDL, Legasthenie, Dyskalkulie, Legasthenietrainer, Dyskalkulietrainer, Vortrag, Eltern, Kinder, Sinneswahrnehmungen, ADHSSchließlich ging Frank Haub auf einige kontraproduktive Lerninhalte ein und zeigte eindrucksvoll, wie überflüssig diese Aufgaben sind, da mit ihnen keinerlei mathematische Kompetenz erworben wird. So wird den Kindern bald gesagt: „Nun rechnet ihr nicht mehr mit den Fingern“ und dann müssen sie Aufgaben am Zahlenstrahl machen. Dann bekommen die Kinder einen abgeschnittenen Zahlenstrahl, auf dem die Kinder Zahlen eintragen sollen. Das hat allerdings nichts mit Mengenverständnis zu tun, sondern höchstens mit Raumorientierung. Ein anderes Beispiel ist die Hundertertafel, die nur ein Schema darstellt, aber auch kein mathematisches Verständnis fördert.

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Wir haben einen Audiomitschnitt des Vortrags gemacht, den Sie hier im Blog anhören können (je nach Schnelligkeit Ihrer Internetverbindung kann das Laden der Audiodatei etwas dauern):

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  1. […] Wenn mir ein Sprecher auf der Fachtagung aus der Seele gesprochen hat, dann war es Frank Haub. Er hielt einen Vortrag über “Effiziente Didaktik für das Symptomtraining dyskalkuler Kinder”. Er zeigte, wie man dyskalkulen Kindern kleinschrittig zum Erfolg bringt. Dyskalkule Kinder steigen schon sehr früh aus der Mathematik aus. Die meisten schon im 1. Schuljahr, allerdings wird das lange nicht bemerkt, da die Kinder über viele Kompensationsstrategien verfügen. Frank Haub zeigte, wie man ein effektives Training gestaltet (kleinschrittig und mit einem Erfolgserlebnis), was die Kinder lernen sollen (dass Mathematik ein Werkzeug ist, mit dem man die Umwelt verstehen kann) und worauf man getrost verzichten kann (kontraproduktive Inhalte). Neben seinen Folien hat Frank Haub auch ein Handout zur Verfügung gestellt, das ich sehr gerne gelesen habe und in dem es viele Anregungen und Beispiele für ein effektives Training gibt. Ich habe auf jeden Fall schon viele Ideen für neue Übungen. ZUM BERICHT (MIT FOLIEN UND HANDOUT SOWIE AUDIOMITSCHNITT DES VORTRAGS). […]

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