Wie systemisches Arbeiten beim Lesetraining aufgebaut und überprüft werden kann

Fachtagung, AFS-Methode, Legasthenie, lesen, Eltern, Christina Buchner, Vortrag
Christina Buchner war die zweite Vortragende bei der 21. Fachtagung des EÖDL am 20. Juni in Salzburg. In Ihrem Vortrag „Wie systemisches Arbeiten beim Lesetraining aufgebaut und überprüft werden kann“ zeigte Frau Buchner, wie Kinder durch 15 Minuten Lesenüben am Tag besser werden können.
Frau Buchner erklärte, dass alle Leser den gleichen Weg gehen: Von der logographemischen Vorstufe über die phonologische Stufe zur orthographischen Ebene. Zunächst stellte Frau Buchner kurz dar, worüber sie nicht sprechen würde – auch wenn diese Phasen des Lesenlernens nicht vernachlässigt werden sollen – wie das Benenntempo, die visuell-auditive Verknüpfung, usw.
Beim Lesen findet zunächst das buchstabierende, entziffernde Lesen statt. Durch ein systematisches Lesetraining soll das lexikalische Lesen erreicht werden. Das ist Lesen, das so leicht, selbstverständlich und unbewusst wie atmen ist. Frau Buchner nannte einige Zahlen, die zeigen, dass immer noch viel zu viele Menschen diese Stufe des Lesens nicht erreichen.
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Wie gelangen kleine Leser nun zu dieser Stufe des leichten, selbstverständlichen Lesens? Nach Christina Buchner durch 100 Stunden systematisches Lesetraining und durch die Triade von Lehrkraft, Kind, und Elternteil. Die Aufgabe der Lehrkraft ist es, das Kind und die Eltern zu überzeugen, aufzubereiten, anzuleiten und zu kontrollieren. Die Aufgabe des Kindes und des Elternteils besteht darin, den Willen und die Einsicht mitzubringen, dass das Üben notwendig ist und auch dass man am Ball bleibt. Denn diese Einzelförderung kann in der Klasse nicht stattfinden. Wenn eine Lehrkraft in einer Klasse mit 24 Kindern jeden Tag 15 Minuten pro Kind aufbringt, dann bräuchte sie 6 volle Stunden dafür.
Frau Buchner wies auf moderne Leseforscher hin, die sich darin einig sind, dass man das Kind nicht allein lassen soll, sondern man soll dem Kind die geeigneten Instrumente mitgeben.
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Daraufhin stellte Frau Buchner ihr 100-Stunden-Lesetraining vor, das gleichzeitig durch Einfachheit und Flexibilität überzeugt. Es sollte jeden Tag von Montag bis Freitag geübt werden, allerdings nicht mehr als 15 Minuten. Am besten stellt man sich eine Zeituhr, und wenn die abläuft, ist das Lesetraining vorbei, egal ob das Kind mitten im Wort ist oder nicht. Das Kind soll sich darauf verlassen können, dass die 15 Minuten eingehalten werden. Am Anfang kann man das Kind Buchstaben benennen oder Wörter ab- und aufbauen lassen. Das sind gute Übungen für den Anfang. Für den weiteren Lesestoff ist alles möglich. Damit Kinder und Eltern eine Übersicht erhalten, bekommen sie „Das 100-Stunden-Lesetrainings-Buch“. Darin wird jeden Tag eine Viertelstunde einer Uhr ausgemalt. Die Lehrkraft kontrolliert beim ersten Trainingsabschnitt nach jeweils 4 Übungseinheiten, beim zweiten und dritten Trainingsabschnitt nach jeweils 8 Übungseinheiten. Nach jedem Trainingsabschnitt gibt es eine Leseprüfung. Zur Motivation gibt es eine kleine Belohnung sowie einen Slogan zum Weitermachen. Nach Abschluss des 100-Stunden-Trainings gibt es ein bereits vorher ausgesuchtes und für den „großen Tag bereit liegendes Buch.
Zum Schluss zählte Frau Buchner das Besondere am 100-Stunden-Training auf:

  • Es ist eine Pflicht, was besonders für schwache Schüler wichtig ist.
  • Es ist flexibel. Wer schneller vorankommen will, übt auch an Sonn- und Ferientagen.
  • Die Eltern sind mitverantwortlich und fungieren als Lesecoach.
  • Durch die Uhren ist die Übungszeit sichtbar.
  • Die Kinder erhalten Zugang zu Büchern.

Die Botschaft am Ende war klar: „Auch der längste Weg beginnt mit einem ersten Schritt“. Dieser Vortrag zeigte einleuchtend, dass man niemals ein Kind aufgeben soll, sondern wie man stattdessen mit wenig Zeitaufwand und viel Durchhaltevermögen zum Erfolg kommt.

Wir haben einen Audiomitschnitt des Vortrags gemacht, den Sie hier im Blog anhören können (je nach Schnelligkeit Ihrer Internetverbindung kann das Laden der Audiodatei etwas dauern):

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