Haben Sie Fragen? Schreiben Sie uns !!
KW: Briefkasten
A-9020 Klagenfurt, Feld Marschall Conrad Platz 7
E-mail: office@legasthenie.com
Internet: www.legasthenie.com

Unsere Leser fragen,
Frau Dr. Kopp-Duller antwortet

Wir bitten um Verständnis, dass nur eine bestimmte Anzahl von Fragen pro Ausgabe veröffentlicht werden kann, die anderen Anfragen werden selbstverständlich telefonisch oder schriftlich beantwortet.

Mit meinem Sohn, 8 Jahre, war ich vor nicht allzu langer Zeit beim Schulpsychologen. Wir wurden von seiner Lehrerin dort hin geschickt, weil Markus große Probleme beim Schreiben und beim Lesen hat und in der Schule ständig den Unterricht stört. Rechnen kann er allerdings ausgezeichnet und auch sonst ist er sehr umsichtig und weiß alles.

Leider war für mich der Besuch beim Schulpsychologen sehr unbefriedigend, da mir lediglich gesagt wurde, dass mein Sohn wahrscheinlich Legasthenie hat und mir Bücher empfohlen wurden, die Übungen enthalten, welche ich mit meinem Sohn machen sollte.

Nun habe ich zufällig die Zeitung Austrian Legasthenie News in die Hand bekommen und sehe nun, dass die Problematik einer Legasthenie viel weitreichender ist, als dass man sie mit einigen Übungen verbessern könnte. Wie kann ich nun meinen Sohn wirklich helfen, seine Leistungen im Lesen und Schreiben zu verbessern?

Antwort:

Jeder Mensch, der von einer Legasthenie betroffen ist, hat seine eigene individuelle Legasthenie. Deshalb gibt es auch kein Patentrezept diese zu überwinden. Es muß also zuerst abgeklärt werden, ob ihr Sohn tatsächlich legasthen ist. Dies kann nur durch einen ausführlichen Test, den ein Spezialist durchführt, festgestellt werden. Anschließend können spezielle und individuelle Fördermaßnahmen, in die auch die Klassenlehrerin einbezogen werden kann, eingeleitet werden.

Mein Sohn ist schon 14 Jahre alt. Nun hat man mir gesagt, dass es bei ihm bereits zu spät sei, etwas gegen seine Legasthenie zu tun. Es ist zwar schon in der Volksschule davon gesprochen worden, dass mein Sohn ein Legastheniker ist, doch Hilfe bekam ich von niemandem.

Antwort:
Selbstverständlich ist es auch bei einem Menschen von 14 Jahren noch möglich, dass man ihm zu hilft, seine Legasthenie in den Griff zu bekommen. Man muss das Training auf seine besonderen Bedürfnisse abzielen.

Meine Frau leidet heute noch unter ihrer Legasthenie und hat auch deshalb oft Depressionen. Verstärkt haben sich diese als es bei ihrer Arbeitsstelle herauskam, dass sie eine ehemalige Sonderschülerin ist. Seitdem wird sie von ihren Arbeitskollegen nicht mehr ernst genommen. Ich versuche immer sie aufzuheitern, indem ich ihr vor Augen halte, was für tolle Begabungen sie hat. Zu Beispiel beim Organisieren von Tätigkeiten ist sie wirklich sehr gut. Sie glaubt aber, dass sie dumm ist und läßt sich davon nicht abbringen. Nun meine Frage : Wie kann ich ihr helfen ?

Antwort:
Sie sollten dafür sorgen, dass eine emotional unbeteiligte Person ihrer Frau das Legastheniephänomen erklärt. Sie wird dann ihre eigene Persönlichkeit besser und leichter verstehen lernen. Leider ist in Österreich auch die Öffentlichkeit über dieses Problem viel zu wenig aufgeklärt und viele Personen werden völlig falsch eingeschätzt. Der legasthene Mensch hat das Problem, durch die Fehler die er macht von Leuten die es eben nicht besser wissen, völlig zu unrecht, als Dummian abgetan zu werden.

Die Lehrerin meines legasthenen Sohnes sagte zu mir, dass das Theater, das um die Legasthenie gemacht wird, sowieso nur eine Modeerscheinung ist und das es ihr nicht möglich ist, in der Klasse auf ihm einzugehen. Gibt es vom Gesetz her keine Maßnahmen, die ich treffen könnte ?

Antwort: 

So traurig das für uns Österreicher ist, weil wir uns in dieser Hinsicht weit hinter dem europäischen Standard befinden, muss ich ihnen leider mitteilen, dass wir in Österreich keine Möglichkeit haben, vom Gesetz her etwas für unsere legasthenen Kinder zu tun. Jedes Kind, das von diesem Problem betroffen ist, ist mehr oder weniger vom Verständnis der jeweiligen Lehrperson und von deren Wissen um dieses Phänomen abhängig.
Modeerscheinung ist die Legasthenie keine, den man forscht bereits seit mehr als hundert Jahren auf diesem Gebiet, eine britische Vereinigung, die sich speziell um diese Menschen kümmert, wurde 1896 gegründet. Nur in Österreich ist man aus dem Dornröschenschlaf teilweise noch immer nicht erwacht, dies zeigen so unqualifizierte Aussagen, von Personen, die sich eigentlich dazu berufen fühlen müßten, sich auch auf diesem Gebiet schlau zu machen und wenigsten diese Kinder verstehen müßten, wenn sie ihnen schon nicht helfen können.

INHALT


Startseite
Der legasthene Mensch
Autogenes Training
Den Lernschwierigkeiten vorbeugen
Interpädagogica
USA: Interview mit Dr. Bernstein
Leserbriefe
Knopf im Kopf- Hilfe meine Kinder haben Legasthenie
Rechtschreibreform- Keine Erleichterung für Legastheniker