|
Lesen und Schreiben stellen ein sehr komplexes Gefüge von Leistungsvollzügen dar. Wer diese Fertigkeiten erwerben will, braucht sprachliche Vorerfahrungen.
Es muss die Fähigkeit zur visuellen, akustischen kinästhetischen Differenzierung entwickelt sein. Gedächtnisleistungen betreffend die einzelnen Wahrnehmungsbereiche stellen ebenfalls eine Voraussetzung dar. Auch frühkindliche Sozialisationsbedingungen bestimmen Lernprozesse mit. Ungünstige Gegebenheiten können nicht nur zu Schwierigkeiten im Leistungsbereich führen, sondern auch die Entwicklung der Leistungsmotivation, des Selbstbewußtseins und der emotionalen Stabilität negativ beeinflussen. Naturgemäß treten Schülerinnen und Schüler mit unterschiedlichsten Lernvoraussetzungen in die Schule ein. Zudem differieren innerhalb der einzelnen kindlichen Persönlichkeiten die Fähigkeiten in Teilleistungsbereichen von fehlenden Voraussetzungen bis hin zu sehr gut entwickelten. Jede Schulklasse bietet demnach ein sehr heterogenes Begabungs- und Leistungsbild. Es ist die Aufgabe der Schule, auf das einzelne Kind einzugehen, individuelle Lernvoraussetzungen zu berücksichtigen und in die Betreuung der Schülerinnen und Schüler auch die bisherige Lerngeschichte einzubeziehen. Nicht umsonst ist im Lehrplan der didaktische Grundsatz des Differenzierens und Förderns festgehalten. Ein individuell abgestimmter Unterricht auf der Grundlage lernpsychologischer Prinzipien vermag Lernschwierigkeiten und Lernversagen vorzubeugen. Ein lese- recht-schreibschwaches Kind kann auf diese Weise präventiv betreut werden. Natürlich müssen die Lehrerinnen und Lehrer dafür qualifiziert werden, im Rahmen ihrer Ausbildung und vermehrt berufsbegleitend. Jede Maßnahme in dieser Richtung findet meine Unterstützung. Dennoch wird bei einige Kinder auch bei bester Didaktik in den Bereichen Lesen -Rechtschreiben das Problem der Legasthenie auftreten. Es ist daher zu begrüßen, wenn sich außerschulische Institutionen auf kompetente Weise dieser Frage annehmen.
|
|