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Am Samstag den 11.12.1999 fand die zweite internationale Fachtagung des Ersten Österreichischen Dachverbandes Legasthenie statt. Diese Veranstaltung war ausschließlich geladenen Legasthenietrainern oder in Ausbildung stehenden Fachleuten vorbehalten. Trotz schlechten Wetters (Schneefall in ganz Österreich) kamen 70 Teilnehmer aus Deutschland und Österreich zusammen. Die Veranstaltung startete in den Räumlichkeiten des Kärntner Hilfswerkes mit einem feierlichen Teil. Den neuen diplomierten Legasthenietrainern, welche in den letzten Wochen und Monaten Ihren Fernlehrgang abschlossen, wurde herzlichst gratuliert. (Siehe Bild rechts oben und mitte). Mittels Multimediashow wurden vormittags FAQs bearbeitet. Der neue AFS-Computertest wurde mittels Videobeamer nicht nur vorgestellt, sondern die Tagungsteilnehmer wurden auch auf dessen Bedienung eingeschult. Nachmittags brillierte Herr Dr. Henning Rosenkötter aus Deutschland in einem dreistündigen Vortrag über die neuropsychologische Behandlung der Legasthenie. Beeindruckend war nicht nur die praktische Verwertbarkeit seiner Ausführungen, sondern auch die Analyse von Trainingssituationen mittels Video.
Die nächste für die DLC-Teilnehmer kostenlose Fachtagung wird am 27.05.2000 an der Universität Wien, die übernächste am 2.12.2000 an der Universität Klagenfurt stattfinden.
Eingeladen dazu sind alle diplomierten Legasthenietrainer des In- und Auslandes, sowie die in Ausbildung befindlichen Teilnehmer. Informationen über Legasthenietrainer unter: http://www.dyslexia.at http://www.legasthenietrainer.at http://www.legasthenietrainer.de http://www.legasthenietrainer.ch
Besser die Stärken nutzen als nur an der Schwäche arbeiten. Dr. Henning Rosenkötter
Die neurologischen und psychologischen Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass bei Legasthenikern eine Schwäche in Teilbereichen sowohl der Hörwahrnehmung als auch der Sehwahrnehmung besteht, allerdings in individuell unterschiedlicher Ausprägung und Verteilung.
In der Hörwahrnehmung sind besonders häufig die Lautunterscheidung, die zeitliche und räumliche Verarbeitung akustischer Reize und die serielle Wahrnehmung betroffen. In der Sehwahrnehmung finden sich oft Defizite der Augenbewegungen, der Farbwahrnehmung, der Speicherfähigkeit und Erfassung von Buchstaben und Buchstabengruppen. Schließlich kennen wir die Probleme von Legasthenikern bei der Umwandlung von Schriftzeichen in Laute. Bei sehr vielen Betroffenen ist auch die Seitenzuordnung im Zentralnervensystem anders als bei Nicht-Legasthenikern.
Für ein Legasthenietraining ergibt sich aus den neuropsychologischen Kenntnissen die Frage, welche Förderung am effektivsten greift. Heute noch gehen die meisten Therapiekonzepte von dem Grundgedanken aus, dass die Defizite behoben werden müssen. Es fallen dabei in erster Linie diejenigen Problemfelder auf, die sich aus den Defiziten der Sprachwahrnehmung ergeben. Viele Legasthenietrainer arbeiten also mit Übungsprogrammen, die sprachlich orientiert sind und bringen den Kindern Sprach- und Regelwissen bei. Fragt man hingegen erwachsene Legastheniker, mit welchen Lernmethoden sie versuchen, die Rechtschreibung zu bewältigen, so erfährt man, dass sie fast immer Strategien des visuellen Lernens benutzen: sie memorieren Wortbilder und nicht Klangstrukturen oder andere auditive Reize. Das Erinnern von Wortbildern stellt also ihre Stärke dar.
Wollen wir also betroffenen Kindern mit der Erfahrung älterer Legastheniker helfen, so ergibt sich ganz selbstverständlich ein Lernweg, der visuelle Lernmethoden bevorzugt, der also mit den Stärken arbeitet und die Schwächen nur in zweiter Linie berücksichtigt. In meiner Erfahrung hat es sich bei den meisten Kindern bewährt, zunächst den visuellen Lernweg zu üben, da Buchstaben und Worte leichter visuell gespeichert und abgerufen werden. Dieser Weg führt schneller zum Erfolg, vermindert die Enttäuschung, schafft Sicherheit und erleichtert die Kommunikation der Kinder mit dem übenden Elternteil, dem Lehrer oder dem Trainer. Nur bei einer zahlenmäßig kleineren Gruppe kommen wir über diesen Weg nicht weiter und brauchen von Anfang an auditive und taktil-kinästhetische Lernmethoden, zum Beispiel bei sprach- und lernbeeinträchtigten Kindern.
Lassen Sie uns aus der Erfahrung erwachsener Legastheniker lernen und ein Üben vermeiden, das sich ganz den Defiziten widmet, also im Negativbereich arbeitet. Arbeiten wir also mit den Stärken statt an der Schwäche!
Dr. Henning Rosenkötter ist Leiter des Sozialpädiatrischen Zentrums in Ludwigsburg. Er ist Autor des Buches "Neuropsychologische Behandlung der Legasthenie" (Verlag PVU-Beltz, ISBN 3-621-27405-7), in dem neben theoretischen Grundlagen der Legasthenie verschiedene Lernmethoden dargestellt werden.
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