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Mag. Thomas Burger; Dr. Max Kastenhuber Eine Studie an etwa 80 lese- rechtschreibschwachen Kindern im Volksschulalter geht der Frage nach, welche Auswirkungen spezielle Lern- und Trainingsprogramme auf die Lese- und Rechtschreibfähigkeit haben. Nach etwa der Hälfte der durchgeführten Untersuchungen kann ein vorläufiges Resümee gezogen werden:
1. Lese- rechtschreibschwache Kinder arbeiten durchwegs gern am Computer, jedenfalls bedeutend lieber als mit anderen Lernhilfen. Dies liegt unserer Meinung nach vor allem am Medium selbst und an der unterschiedlichen Verteilung der Rollen: Nicht ein Lehrer oder ein Elternteil gibt die Rückmeldung bezüglich richtiger oder falscher Lösung sondern eine Maschine. Zu einer Maschine hat man jedoch keine persönliche Beziehung, die durch zu häufiges Versagen aufs Spiel gesetzt werden könnte. Versagensängste wiederum lösen Widerstand aus, der sich dann in Abneigung zum Lernen und Selbstunsicherheit manifestiert. Kinder können eine Kritik des Computers leicht ertragen, solange die Programme es ermöglichen, auch Erfolgserlebnisse zu haben. Nur Lernprogramme, die auf das Niveau des einzelnen Kindes abgestimmt und eingestellt werden können, sind dazu in der Lage. Leider bieten nur wenige Programme die dazu nötigen Möglichkeiten. Besonders in speziellen Teilbereichen (optische Differenzierung, Serialität .... ) müssen die Anforderungen im Lernprogramm auf einem einfachen Niveau beginnen. Das Medium Computer an sich bietet insofern Sicherheit, als viele Komponenten konstant sind. So bieten die Schrift und die Bilder/Töne ein schnell bekanntes und gleichbleibendes Erscheinungsbild. Darüber hinaus sind auch Rückmeldungen berechenbar: Fehler werden als Fehler und Richtiges als richtig erkannt. Auch nach vielen falschen Versuchen meldet ein Computer bei einem "richtig" etwa "super" und nicht "na endlich".
2. Kinder merken oft nicht, dass sie lernen! Sie "spielen, entdecken, machen Wettkämpfe, probieren aus". Gute Programme sind Spiele, die Lernen ohne Anstrengung ermöglichen! Viele der Programme sind noch zu wenig auf die Bedürfnisse von Kindern abgestimmt, weil von Erwachsenen erdacht und gemacht. Außerdem weisen viele Programme eine zu hohe merkbare Theoriegebundenheit auf. Je nach Meinung über die Ursache der Störung wird ohne Rücksicht auf Spiel und Spaß die Lehrmeinung umgesetzt.
3. Die Rolle des Lehrers, des Betreuers oder der Eltern kann durch den Einsatz des Computers neu definiert werden: Sie können beobachten, wie sich das Kind beim Problemlösen verhält. Sie können Abstand vom Ergebnisdruck nehmen und gemeinsam Denkstrategien entwickeln, ohne jedesmal nachher "richtig" oder "falsch" sagen zu müssen. Dies übernimmt ja der Computer. Für die emotionale Unterstützung, wie aufmuntern, trösten.... bleibt mehr Zeit und Raum. Zusammenfassung: Ohne die statistische Bedeutsamkeit der Ergebnisse der Studie vorwegzunehmen, wird deutlich, dass praktisch alle vom Computereinsatz profitieren: - Lehrer merken positive Veränderungen in der Motivation der Kinder. - Eltern erleben die Situation entspannter, weil ihre Kinder wieder lieber und länger lernen, und die - Kinder sind stolz auf sich selbst, da sie Erfolgserlebnisse aufweisen können. Eltern haben jedoch - wie bei vielen anderen "Verführungen" - die Aufgabe, Grenzen im Umgang mit dem Computer zu setzen, die kontrolliert und eingehalten werden müssen.
Mag. Thomas Burger Dr. Max Kastenhuber Integration durch Kompetenz, Linz IdK ist eine Forschungs- und Entwicklungseinrichtung der DIAKONIE ÖSTERREICH und des Forschungszentrums Seibersdorf, die durch Mittel von der Aktion "Licht ins Dunkel" und des LANDES OBERÖSTERREICH unterstützt wird. thomas.burger@integranet.at; Stifterstraße 12, 4020 Linz
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