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Die drei Vereine luden erstmalig Eltern zu einem interdisziplinären Informationsabend zum Thema, Legasthenie (Lese- und Rechtschreibschwäche), Hyper-bzw. Hypoaktivität und Dyskalkulie (Rechenschwäche) ein. Die Veranstaltung wurde von Frau Landesrat Dr. Rieder, dem steirischen Landesverband der Elternvereine und der Fa. Revita Gastronomie GmbH unterstützt.Sie fand in der mit 120 Zuhörern gut gefüllten Aula der Neuen Mittelschule Klusemannstrasse in Graz statt. Die Eröffnungsrede hielt Vizepräsidenten Mag. Stadler vom Landesschulrat für Steiermark. Die drei Vereine zeigten gemeinsame Eckpunkte und Ziele auf, wie z.B. dringend notwendige schulinterne Maßnahmen zur Unterstützung von legasthenen, rechenschwachen und hyperaktiven Kindern. Den Anfang setzte der Landesschulrat auf Initiative des Steirischen Landesverbandes Legasthenie mit der Ausarbeitung des Erlasses für legasthene Kinder an steirischen Pflichtschulen. Mag. Michael Gaidoschik vom Rechenschwäche-Institut in Wien begrüßte die steirischen Maßnahmen . Der Erlaß sei zwar für Lehrer hilfreicher ausgearbeitet als in Wien, aber keinesfalls ausreichend für die Bedürfnisse von Kindern mit anderen Teilleistungsstörungen. Dazu zählt unter anderem die Rechenschwäche. Er betonte auch die Sekundärstörungen, welche durch eine unbehandelte (weil unerkannte) Rechenschwäche (gilt auch für Legsasthenie, anm. STLL) entstehen können. Er zeigte auch die Notwendigkeit der Lehrerinformation auf.
Frau Dr. Mag. Inge Unterleitner, klinische Psychologin und Gesundheitspsychologin, erzählte von den Erfahrungen aus ihrer Praxis. Die Kinder kommen oft mit psychosomatischen Störungen wie Bettnässen, Ängsten oder Hyperaktivität zur Abklärung. Bei genaueren Untersuchungen stellen sich bei vielen Kindern massive Teilleistungsstörungen im Bereich der Motorik oder Wahrnehmung heraus. Diese Teilleistungen, die über das zentrale Nervensystem gesteuert werden , können im direkten Zusammenhang mit einer Legasthenie oder Rechenschwäche stehen. Sie empfiehlt den Eltern frühzeitig eine Abklärung in Form einer Entwicklungsdiagnostik einzuleiten, um Folgeschäden wie mangelndem Selbstwert oder Schulverweigerung vorzubeugen. Mag. Monika Klima spricht als betroffene Mutter und Lehrerin über ihr Kind im Schulalltag. Mit anschaulichen Dias zeigt sie die Entwicklung ihres Sohnes und seine Beziehung zu dem Schulfach Deutsch und die Auswirkungen auf andere Lebensbereiche.
Frau Dr. Dèsirèe Frey spricht als prakt. Ärztin und betroffene Mutter über Hyperaktivität. Bei Kindern mit massiven Konzentrationsstörungen oder bei starken Verlust der Impulskontrolle empfiehlt sie eine genauere Abklärung in der Grazer Universitätskinderklinik durch Dr. W. Kaschnitz in der Ambulanz für lebhafte und hyperaktive Kinder. Es kommt auch vor, dass Kinder Probleme im Hirnstoffwechsel haben und dies die Ursache für die extremen Verhaltensauffälligkeiten sind. In manchen Fällen ist eine vorübergehende medikamentöse Behandlung zur Regulierung des Hirnstoffwechsels notwendig um das totale soziale Abgleiten zu verhindern. Frau Gabriele Bernsteiner, Obfrau des Vereines "für das andere Kind", spricht als betroffeneMutter eines POS (Psychoorganisches Syndrom) Kindes. Sie zeigt die oft massiven Problemeder betroffenen Familien im Alltag auf. Da die Kinder normal intelligent sind ist es sehr schwer innerhalb des Schulsystems die dringend notwendige Unterstützung zu bekommen. Der Behördenhürdenlauf, den Eltern auf sich nehmen müssen um für ihr Kind eine entsprechende Therapie zu bekommen, ist oft unzumutbar. Obwohl die Steiermark ein Vorbild in Österreich mit IZB-Teams,(Integrative Zusatzbetreuung im Kindergarten) oder Frühförderung darstellt, bleibt Österreich im internationalen Vergleich, was gerade Kinder mit diesen minimalen hirnfunktionellen Funktionsstörungen betrifft, im Rückstand, insbesondere im Bereich Früherkennung und therapeutische Unterstützung auf privatem Sektor und im Schulwesen. Frau G. Bernsteiner bezeichnet den Erlass für unzureichend, da die Einbindung von rechenschwachen und konzentrationsgestörten oder verhaltensauffälligen Kindern fehlt. Auch der Punkt 4 über Richtlinien zur Erstellung eines Förderprogrammes wird von ihr kritisiert. Alle Therapien wie Ergotherapie (Sensorische Integration), Psychomotoriktherapie und Therapien, die gezielt Wahrnehmung, Motorik und Gleichgewicht oder Konzentration fördern, haben eine direkte Auswirkung auf schulische Leistung und die soziale Handlungskompetenz der Kinder. Die Eltern, Kindergärtner und Lehrer müssen informiert und geschult werden. Damit kann die Prävention gefördert werden, so dass die Kinder früher zurAbklärung kommen, entsprechende Therapien eingeleitet werden und schwere Langzeitfolgen verhindert werden. Auch betonte die Obfrau des Vereins "für das andere Kind", wie wichtig die soziale Integration im Wohnortumfeld für betroffene Kinder ist. Der Verein bemüht sich in Zusammenarbeit mit Integration Österreich um rechtliche Belange und um einheitliche Rahmenbedingungen. Die Vielfalt der unterschiedlichen Bedürfnisse der zu unterrichtenden Kinder macht einen differenzierten Unterricht mit einem Lehrer pro Schulklasse nahezu unmöglich. Der Verein "für das andere Kind" fordert von politischer Ebene mehr Unterstützung in Form von Zusatzlehrern und bezahlter Fortbildung.
Der anwesende Landesschulrat- Vizepräsident Mag. Stadler spricht in seiner Abschlussrede beeindruckt von dem Engagement der Elternvereine, von einem "historischen Ereignis", dass die drei Vereine diese interdisziplinäre Veranstaltung zum Wohle der betroffenen Kinder organisiert haben. Er spricht von einer neuen Form einer organisierten "Elternkompetenz", von einer politischen Macht. Erstaunt zeigt er sich über die Fachkompetenz der anwesenden Eltern. Der Erlass für legasthene Kinder sei nur der Anfang, von einer Reihe von Maßnahmen, die noch innerhalb des Schulwesens gesetzt werden müssen. Die Zusammenarbeit mit den Elternvereinen wird zugesichert, um auch weitere notwendige Änderungen vorzunehmen. Da die Notwendigkeit bestehe, sicherte Mag. Stadler, auch Unterstützung innerhalb des Schulsystemes zu.
Nach der Veranstaltung konnten sich die zahlreich erschienen Gäste an einem bemerkenswerten Buffet erfrischen und an den Informationsständen der Vereine umfassend informieren.
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